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04. Dezember 2019

Postsparkasse

Die Postsparkasse in Wien ist nicht nur ein baukünstlerisches Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, das weltweit bekannte Gebäude gilt außerdem als Meilenstein der Moderne, wurde von Otto Wagner geplant und von 1904 bis 1912 errichtet.

Dokumentation Bauprozess: 1. Bauabschnitt 1904–1906 © P.S.K.-Archiv

Der historische Kassensaal ist der wohl bekannteste Ort der Postsparkasse. Der Boden besteht aus Glasfliesen, die die darunterliegenden Räume mit Licht durchfluten und es im Kellergeschoß taghell werden lassen. Otto Wagner hatte von Beginn an den Kassensaal und andere große Säle klimatisiert. Die markanten Aluminiumlüfter sind noch heute zu sehen.

„Eigenartig, wie gut die Menschen hineinpassen“, soll Kaiser Franz Joseph, der für gewöhnlich die klassische Ringstraßenarchitektur bevorzugte, bei der Eröffnung des großen Kassensaals 1906 gesagt haben.

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Mit der Gestaltung der Außenfassade wird auch eine symbolische Mitteilung transportiert: eine mit Eisen beschlagene Schatztruhe, die als Archetypus für sicher verwahrtes Geld steht. Angeblich spiegelte die moderne Fassade außerdem die damalig modernen Bankprozesse wider, denn Wien zählte zum Geburtstort des Scheckverkehrs und somit des ersten bargeldlosen Geldtransfers. Die Fassadenstruktur aus Glas Metall und Steinplatten wurde von der Bevölkerung als schockierend empfunden und bereits dem Entwurf wurde großteils sogar feindselig begegnet.

Fassade mit Haupteingang, Blick vom Ring ©Doris Herlinger/P.S.K.-Archiv

Die Postsparkasse blieb während des zweiten Weltkriegs von Bombentreffern verschont. Von 1970 bis 1985 wurde das Gebäude generalsaniert und mit einer Tiefgarage ausgestattet. Von 2004 bis 2005 erfolgte die zweite Sanierung, bei der unter anderem Kühldecken eingebaut wurden, da ein nachträglicher Einbau von Lüftungskanälen auf Grund des Denkmalschutzes nicht möglich war auch die über die Jahrzehnte verloren gegangenen Heizkörper wurden  nach historischem Vorbild nachgegossen.

Die Immobilie am Georg-Coch-Platz 2 wurde 2013 von uns erworben und bis Anfang 2019 von der BAWAG PSK als Bürostandort genutzt.

Kunst und Kultur war schon immer eng mit der Postsparkasse verbunden. Im Jahr 2005 wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Postsparkassengebäudes das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse als permanente Ausstellung im kleinen Kassensaal eröffnet, in dem unter anderem historische Fotos, Dokumente, Pläne und ein Modell gezeigt werden. Das WAGNER:WERK, sowie der große Kassensaal sind bis auf weiteres zu den Öffnungszeiten kostenfrei zugänglich.

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Nach Auszug der BAWAG P.S.K. im Frühjahr 2019 wurde im Rahmen des 100. Todesjahres von Otto Wagner die Postsparkasse im März 2019 für die Ausstellung der FOTO WIEN – „POST OTTO WAGNER. Von der Postsparkasse zur Postmoderne“ – als Zwischennutzung zur Verfügung gestellt und für kulturelle Zwecke genutzt.

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Die Räume im 1. Stock, die Bel Etage (Mezzanin) mit den Gouverneurs-Räumlichkeiten stehen unter Denkmalschutz und wurden nicht verändert. Da diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, gibt es die Möglichkeit diese via virtueller Tour zu besichtigen. In Zukunft soll eines der bekanntesten Jugendstilgebäuden Wiens zur neuen Heimat für mehrere Forschungseinrichtungen werden. So sollen unter anderem die Universität für angewandte Kunst Wien, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die Johannes Kepler Universität Linz ihren Raumbedarf decken, das MAK – Museum für angewandte Kunst soll wichtige Bereiche im 1. Stock museal nutzen. Basis für die Weiterentwicklung und zukünftige Erschließung ist ein kürzlich geschlossener Baurechtsvertrag mit der Bundes Immobilien Gesellschaft (BIG), die das Gebäude Anfang 2020 übernimmt.

Bis heute steht Otto Wagners baukünstlerisches Schlüsselwerk nahezu unverändert da und zählt nach wie vor zu den meistfotografierten Jugendstil-Bauwerken von Wien.

©PSK-Archiv und SIGNA_Kozak