©David Chipperfield Architects

05. Dezember 2019

Carsch Haus

Acht Tage. Das war die Zeit, die Paul Carsch im Mai 1911 benötigte, um die Zustimmung der Stadt Düsseldorf für den Bau eines einheitlichen Geschäftshauses in der Altstadt – der heutigen Heinrich-Heine-Allee – zu erhalten.

Der Architekt Otto Engler wurde beauftragt und im April 1913 der Bauantrag gestellt und sogleich genehmigt. Nur zwei Jahre später, im März 1915, konnte die Eröffnung des Gebäudes gefeiert werden. Das „Carsch-Haus“ war für die Düsseldorfer schnell ein fester Begriff.

Bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zwar stark beschädigt, konnte aber dank seiner robusten Eisenbeton-Skelettkonstruktion nach dem Krieg rasch wieder rekonstruiert und weitergenutzt werden.

Ende der 70er Jahre führten infrastrukturelle Eingriffe zu einer neu eingefügten Fußgängerebene im Untergeschoss des Heinrich-Heine-Platzes, die gleichzeitig auch den U-Bahnhof über eine öffentliche Passage mit Anschluss an anliegende Straßen und Kaufhäusern verband.

Im Jahr 1974 wurde ein Planfeststellungsverfahren beantragt, um das Gebäude für den Bau der U-Bahn und des U-Bahnhofs Heinrich-Heine-Allee abzureißen. Daraufhin hat im April 1976 der Rheinische Verein für Denkmalpflege eine Versetzung des Carsch-Hauses vorgeschlagen, die für eine intensive kommunalpolitische Diskussion sorgte. Innerhalb der sechs Jahre dauernden Planungsphase wurden mehr als 2500 (!!) Baupläne erstellt. Eine Lösung musste gefunden werden und sie bestand darin, das Gebäude abzureißen aber an versetzter Stelle neu aufzubauen.

Am 5. Juli 1979 wurde mit den Abbrucharbeiten begonnen, bei denen 4800 Fassadensteine nummeriert und katalogisiert werden mussten. Diese wurden zwischengelagert und restauriert – nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl musste durch neue Steine ersetzt werden. Parallel zu den Restaurierungsarbeiten entstand der Neubau des Hauses und im März 1983 konnte der letzte Stein der alten Fassade an dem neuen Gebäude befestigt werden. Dieser Neubau mit dem verbreiterten Heinrich-Heine-Platz und Verkaufsflächen auf sechs Etagen besteht seit seiner Eröffnung 1984 in dieser Form bis heute.

Mit dem Erwerb des Kaufhof-Portfolios, haben wir 2019 auch das Carsch-Haus übernommen. Geplant ist, das über 100-jährige Haus nach dem Vorbild des Berliner KaDeWes umzubauen, als vierte Filiale in die KaDeWe-Group aufzunehmen, damit der Shoppingmetropole Düsseldorf gerecht zu werden und zeitgleich auch an die Tradition des Hauses anzuknüpfen.

Neben Einzelhandel wird das Carsch-Haus in Zukunft auch Gastronomie beherbergen. Die gastronomische Einrichtung soll außerhalb der Öffnungszeiten des Kaufhauses zugänglich sein und den Platz – mit dem partiell zu öffnendem Dach – von oben erlebbar machen.

©David Chipperfield Architects

Ziel ist es außerdem, die Heinrich-Heine-Allee als Boulevard mit hoher Aufenthaltsqualität umzugestalten, was unter anderem einen Rückgang der Straßenführung zum ursprünglichen Verlauf vor den Umbaumaßnahmen Ende der 1970er Jahre umfasst.

Zur zukünftigen Gestaltung des Heinrich-Heine-Platzes fand im September 2019 ein öffentlicher Workshop statt, an dem eine Vielzahl interessierter Düsseldorfer teilnahm. Diskutiert wurden unter anderem die Straßenführung auf Basis des Entwurfes von Chipperfield Architects. Der Entwurf fand bei vielen anwesenden Anwohnern große Zustimmung und viele Düsseldorfer äußerten den übergeordneten Wunsch, die Aufenthaltsqualität des Platzes zu steigern.

Unser Ziel ist, mit dem Carsch-Haus und der Umgestaltung des Heinrich-Heine-Platz einen neuen Lieblingsort für die Düsseldorfer zu schaffen.

©David Chipperfield Architects