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INTERVIEW MIT JÜRGEN FENK, VORSTAND VON SIGNA INNOVATIONS„Wir wollen uns maßgeblich an der Digitalisierung des Immobilienmarkts beteiligen.“

SIGNA Unternehmensgruppe

Herr Fenk, wie kommen Sie als Banker dazu, sich mit dem Thema Innovation zu beschäftigen?
Fenk: Ich habe mich schon immer als innovativen Immobilienbanker gesehen. Im Bankenbereich gibt es seit vielen Jahren die Entwicklung, dass junge Technologieunternehmen die Geschäftsmodelle der alteingesessenen Kreditinstitute angreifen. Die Banken haben das viel zu lange nicht ernst genommen. Einige haben es geschafft, sich zu etablieren und „zerstören“ über Jahrzehnte bewährte Geschäftsmodelle. Man spricht an dieser Stelle gerne von Disruption. Big Data, Smart Data, Blockchain, und viele weitere Themen bieten faszinierende Möglichkeiten, das eigene Geschäft effizienter zu gestalten oder auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Kombination aus Immobilienbanker und Innovation liegt dann gar nicht so fern, zumal es bei uns im Bereich Innovations auch um Investments in junge Unternehmen, die sogenannten „Start-ups“, geht.

Was steckt hinter der Gründung von SIGNA Innovations?
Fenk: Die Digitalisierung hat mittlerweile die Immobilienwirtschaft erreicht. Immer mehr Startups kommen mit neuen Ideen, die das Potenzial haben, immobilienwirtschaftliche Prozesse zu digitalisieren. Ohne Zweifel wird alles digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann. Wir sehen die Digitalisierung als Chance. Zum einen geht es uns darum, innovative Geschäftsideen, Produkte aber auch Plattformen zu identifizieren, die zur Wertschöpfung von SIGNA passen und implementiert werden können. Zum anderen sind es Investments in innovative Unternehmen, um eine attraktive Rendite zu erhalten. Bei genauerer Betrachtung überschneiden sich aber beide Ansätze, da renditebringende Investments, die zu SIGNA passen, auch in unsere Wertschöpfungskette implementiert werden können.

Was sind die Ziele von SIGNA Innovations?
Fenk: SIGNA versteht sich als innovatives Unternehmen, wir haben schon 2002 mit neuen Technologien wie Virtual Reality experimentiert und sind bestrebt, Innovation zu implementieren. Wir wollen uns maßgeblich an der Digitalisierung des Immobilienmarkts beteiligen und zum Vorreiter und Treiber digitaler Services und neuer Geschäftsmodelle werden. Dabei gibt es mehrere Komponenten. Erstens wollen wir mithilfe von Innovationen interne Prozesse vereinfachen und damit letztlich Effizienzen gewinnen und Kosten reduzieren. Zweitens geht es uns darum, neue Ertragsquellen zu erschließen – sei es durch Investments in junge Unternehmen selbst oder auch durch neue eigene Geschäftsmodelle. Und drittens geht es auch um Reputation und Marketing. Wir wollen innovativ in Strukturen und Prozessen sein und als großer Projektentwickler die neuesten technologischen Entwicklungen nutzen. Entscheidend ist nicht mehr nur, was wir bauen, sondern, wie wir es bauen, verwalten, Werte schaffen.

Welche Bereiche sind für Sie interessant?
Fenk: Grundsätzlich alle Bereiche, die für die Wertschöpfungskette von SIGNA sinnvoll sind. Zum einen sind natürlich die PropTechs im Fokus. Sie lösen mit digitalen und skalierbaren Geschäftsmodellen Ineffizienzen in der Immobilienwirtschaft, indem sie smarte Technologie einsetzen. Unternehmen aus den Bereichen Internet-of-Things, Artificial Intelligence, Augmented Reality und Virtual Reality sind hier spannend. Auch die Digitalisierung des Bauprozesses ist für uns als Projektentwickler sehr relevant, Stichwort Building Information Modeling (BIM). Entscheidend ist auch, wie die bereits im Bau gewonnenen Daten später in der Bewirtschaftungsphase genutzt werden können. Aber wir haben nicht nur technologische Lösungen im Fokus. Auch analoge Geschäftsmodelle wie Nutzungs- und Servicemodelle sind interessant. Hierzu gehören Co-Working, Co-Living oder Space-as-a-Service – alternative Nutzungsmöglichkeiten für Flächen.

Gibt es bereits erste Ergebnisse?
Fenk: Wir haben unsere Wertschöpfungskette analysiert, Markttrends identifiziert und quantitative Analysen durchgeführt, um Investments vorzubereiten. Auf dieser Basis haben wir im ersten Schritt ganz bewusst indirekt investiert. Wir sehen hier einen Dealflow und lernen gleichzeitig den Markt besser kennen. Unsere erste Beteiligung ist der MetaProp Ventures Fonds II. MetaProp ist eines der bekanntesten und aktivsten Venture Capital Unternehmen im Prop- Tech Bereich. Der Investmentfokus liegt auf weltweit tätigen PropTechs, die sich noch in der Frühphase befinden. Beim zweiten indirekten Investment werden wir als Anchor Investor bei Loric Ventures einsteigen. Loric hat sich auf PropTechs und FinTechs aus Deutschland und UK spezialisiert.

Wie sieht es mit direkten Investments aus?
Fenk: Wir haben uns Ende September 2018 mit bis zu 20 % am Unternehmen StoreMe beteiligt, einem komplett digitalisierten Selfstorage-Anbieter. Das Unternehmen ist aktuell in Österreich und Deutschland aktiv und will weiter wachsen. Der Selfstorage-Markt in Europa steckt noch in den Kinderschuhen und verspricht hohe Wachstumsraten. SIGNA kann hier als strategischer Partner unterstützen, insbesondere bei der Suche nach Top-Flächen, vorzugsweise in citynahen Ladenlokalen. Das besondere bei StoreMe ist, dass der gesamte Prozess – von der Auswahl des Abteils bis zur Buchung online abgewickelt wird. Dank eines innovativen Zutrittssystems können die klimatisierten Lagerflächen rund um die Uhr betreten werden. Smarte Lösungen für ein smartes Investment.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Fenk: Wir erweitern kontinuierlich unser Team, Anfang Oktober 2018 ist ein PropTech Spezialist mit Fokus auf Investment und Transformation zu uns gestoßen, und zu Jahresbeginn 2019 wird ein Venture Capital Spezialist starten. Mit einem größeren Team wollen wir die interne digitale Transformation vorantreiben und unsere Investments ausbauen.


JÜRGEN FENK
Jürgen Fenk ist seit 1. Oktober 2017 Mitglied des SIGNA Group Executive Board und seit Jahresbeginn 2018 Vorstand der SIGNA Innovations. In seine Tätigkeit fallen insbesondere die Bereiche Banking, Kapitalmarkt sowie Capital Sourcing für SIGNA. Als Vorstand der SIGNA Innovations AG ist er intensiv damit beschäftigt, das neue SIGNA Geschäftsfeld Proptech aufzubauen. Davor zeichnete er als Mitglied des Vorstandes der Landesbank Hessen- Thüringen (Helaba) für die Bereiche Immobilien, Debt Capital Markets, und Financial Institutions verantwortlich.